11.10.2019

Feedback-Interview zum Seminar „Entspanntes Sehen und Sitzen am Arbeitsplatz“ am 25.-26.07.2019

„Neue Bewegungsmuster werden als angenehm wahrgenommen und werden nach kurzer Zeit zur Routine!“

Dr. Georg Kwiatkowski ist promovierter Chemiker, wandte sich 1990 jedoch hauptberuflich dem Bereich Gesundheit und Prävention zu – basierend auf der Feldenkrais-Methode. Ergänzend nutzt er seine vielfältigen Erfahrungen als Heilpraktiker. So arbeitet er ganzheitlich als Seh- und Stimmtrainer sowie als Feldenkrais-Pädagoge. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Workshops „Entspanntes Sehen und Sitzen am Arbeitsplatz“.

HERR KWIATKOWSKI, PLANUNG IST HEUTE VOR ALLEN DINGEN BILDSCHIRMARBEIT – ZUMEIST IM SITZEN. WIE KÖNNEN WIR AUGEN- UND RÜCKENPROBLEMEN VORBEUGEN?

Bei der Feldenkrais-Methode geht es zunächst um die Sensibilisierung für die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Signale, so wie um Vertrauen in seine Potentiale. Es geht also darum, sich erst einmal der eigenen Gewohnheiten, etwa der Sitzhaltung oder der Sehgewohnheiten, bewusst zu werden und darauf aufbauend dann alternative, optimierte Bewegungsabläufe zu erproben.

Ziel von Feldenkrais ist dabei immer, eine optimale Körperhaltung in Balance zwischen An- und Entspannung zu finden. In Bewegung können wir unseren Körper bewusster wahrnehmen. Wir sprechen hierbei von sanften und langsamen Bewegungen, die dem Nervensystem die notwendigen Signale zu ausgleichender Korrektur geben.

BEIM SEHEN STELLT SICH DIE FRAGE, WIE HIER DIE BEWEGUNG AUSSEHEN KANN?

Bei Bildschirmarbeit werden die Augenmuskeln verstärkt angespannt durch das ständige Fokussieren im Nahbereich, wir blinzeln weniger, das Auge ermüdet schneller. Zur Entlastung ist es deshalb gut, regelmäßig locker in die Ferne zu schauen, bewusst zu blinzeln – im Idealfall im Tageslicht.

Die Teilnehmer haben hierzu – teilweise auch in kleinen Gruppen – verschiedene Übungen zu Augenausgleichsbewegungen erlernt. Dabei ging es darum, mit dem Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht zu spielen und so zu entspanntem Sehen zu kommen.

NOCH EINMAL ZURÜCK ZUM SITZEN. WIE KANN MAN IN EINEM ENDLOS-MEETING DEN RÜCKEN ENTSPANNEN?

Wie bei den Augentrainings sind wir auch bei dem Thema Sitzen vorgegangen. Wahrnehmen der Körpersignale und alternative optimale Bewegungen erproben. Die Bewegungen sind klein und unauffällig und werden vom Körper als angenehme Erfahrung bewusst wahrgenommen. Dadurch fällt es leicht, sie immer wieder bewusst in den Arbeitsalltag zu integrieren bis sie zur Routine werden. Der gewünschte Effekt entsteht bereits mit Andeutungen der Bewegung – für andere unsichtbar.

Jedoch kann man natürlich auch noch einmal ganz anders an das Thema herangehen und schauen, ob Besprechungen tatsächlich immer im Sitzen stattfinden müssen. Hier gehen etwa Start-Ups neue Wege mit sogenannten „Standup-Meetings“: Es ist nachgewiesen, dass durch das bewegte Stehen auch der Austausch an Lebendigkeit gewinnt und zudem meist viel effizienter, also kürzer ist – ein Gewinn auf allen Seiten! Ein erweiterter Ansatz ist die Besprechung im Gehen: „Walk and Talk“ ist auch eine Methode, die bereits im professionellen Umfeld Schule macht. Hiervon profitieren dann auch wieder die Augen: Mit schweifendem Blick, im besten Fall ins Grüne und reichlich Tageslicht.

28.06.2019

PERSPEKTIVWECHSEL FÜR DIE PRAXIS

360AKADEMIE gestaltet interaktiven Netzwerkabend zum Thema Lean Construction

Stuttgart. Im Rahmen eines interaktiven Workshop-Parcours konnten beim 2. Netzwerkabend rund 60 Teilnehmer die verschiedenen Fassetten von Lean Construction an drei Stationen erleben.

„Lean bedeutet einen Perspektivwechsel und althergebrachte Strukturen zu verlassen“, betonte Annett Schöttle. Die studierte Bauingenieurin ist Lean Consultant bei der Refine Projects AG, einem Beratungsunternehmen für Lean Construction: „Dabei gewinnt die Baustelle an Bedeutung, da sie als Ort der Projektwertschöpfung zum Taktgeber der vorgelagerten Planung wird.“ So war eine Workshop-Station über Eck als „Big Room“ gestaltet – mit den Daten des kürzlich fertiggestellten Projektes „BMW Freimann“, einem Büro- und Gewerbegebäude in München mit 72.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Die Fertigstellung erfolgte innerhalb von zwei Jahren. Hierzu standen Kathrin Pichler und Kilian Schwinn, beide Bauleiter bei der Porr AG, Rede und Antwort: „Das ganze Team eines Bauprojekts trifft sich wöchentlich physisch im „Big Room“, der auf der Baustelle eingerichtet ist,“ erklärte Kathrin Pichler. Er dient als zentraler Treffpunkt, an dem alle wichtigen Informationen zusammenkommen.

Im Big Room liege auch der Schlüssel für das High Performance Team als zentrale Anlaufstelle für das Projektteam, so Schwinn. Er mache die sonst oftmals so zeitintensiven aber ja vermeintlich unverzichtbaren Rückkopplungen überflüssig. Neben der Koordination macht diese Form der fließenden Kommunikation das Mindset der Kollaboration aller am Planen und Bauen Beteiligten erst möglich. Produktionsplan und Projektaktivität werden mit tages- und wochengenauen Kennzahlen mittels Post-Its visualisiert. Sie stellen den aktuellen Status, Fehlerquoten sowie das Einhalten von Zusagen dar. Die Erarbeitung von Lösungen findet kollaborativ mit allen Prozessbeteiligten statt, das Konzept werde an Projekt und Team angepasst und nicht umgekehrt, betonte Pichler. Statt eines klassischen Terminplans würden „Projektmeilensteine“ vereinbart: Was brauchst Du von mir, was ich von Dir, damit das Projekt weiterkommt? Beim Verhandeln von Zusagen gehe es um Stabilität im Prozess und um Beweglichkeit im Sinne von Verbessern und Lernen, so Schwinn. Dass es etwas Erfahrung bedarf, bis diese neuen Systeme auf der Baustelle funktionieren, verstehe sich von selbst.

LEAN IST TEAMLEISTUNG

Beim Projektstart gehe es darum, bei den Projektteammitgliedern die Lean-Kompetenz und Lean-Denkweise zu etablieren und sie damit zu einem Hochleistungsteam aufzubauen, betonte Schöttle, die an ihrer Station die Beraterperspektive erläuterte und mit den Teilnehmern diskutierte: „Lean ist immer Teamleistung! Dadurch profitieren alle Projektbeteiligten und erreichen ihre Ziele mit weniger Stress, Nacharbeiten und Bearbeiten von Schriftverkehr termingerecht und zufriedener.“ Dabei gehe es um einen optimalen Informationsfluss und der eigenen Informationsverantwortung gegenüber dem Projektziel und den anderen im Projekt Beteiligten. So steht bei Lean die Frage nach der kontinuierlichen Verbesserung stets im Raum: Bei der dritten Station musste jede Gruppe gemeinsam eine Strategie entwickeln, wie sie die Effizienz beim Durchgeben dreier Tennisbälle – von allen Händen der Gruppenmitglieder berührt – von Runde zu Runde steigern kann: So lasse sich auch die Planung besser umsetzen, wenn das Wissen der Mitarbeiter der ausführenden Ebenen einbezogen werde, betonte Timo Murasch, Junior Berater, Refine Projects AG und verantwortlich für die Praxis-Station, denn diese können am besten beurteilen, wo die Probleme liegen.

LEAN ALS MANAGEMENTPHILIOSOPHIE

Lean kennt keinen Stillstand, es ist eine Frage der Bewusstseinsbildung und in gewisser Weise eine Haltung der Führung, wie man Projekte angeht, umsetzt und als Projekt auf Zeit zu Ende bringt: Dabei gehe es um die Bereitschaft, Prozesse und Denkweisen stetig auf den Prüfstand zu stellen und bei Bedarf anzupassen, Dinge und Prozesse etwa auch später im laufenden Betrieb in Frage zu stellen, neu zu denken, Ideen auszuprobieren, Arbeit zu visualisieren – dabei ist auch Fehlermachen erlaubt“, stellte Schöttle heraus, die aktuell auch am KIT zum Lean promoviert. Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zeigen, dass sich mit Lean-Methoden die Effizienz gerade im Planen und Bauen um bis zu 50 Prozent steigern lasse. In Ländern wie etwa in Australien, USA und Chile konnte Annett Schöttle sich davon schon überzeugen. Jetzt ist sie zusammen mit dem Refine-Team angetreten, die ganzheitliche Managementphilosophie in Deutschland zu implementieren und dabei auch das eine oder andere dicke Brett zu bohren hinsichtlich der hierzulande eher konservativ geprägten Bau- und Immobilienwirtschaft. Das Projektteam BMW Freimann war sich einig: Mit Lean jeder Zeit wieder!

28.05.2019

Feedback-Interview zum Seminar am 09.05.2019 "Planungsnachträge rechtsicher verhandeln und vereinbaren“

"Dass es zu Nachträgen kommt, ist allen Beteiligten klar."

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen. Einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte ist die Weiterbildung für Baubeteiligte. Hier richtet sie ebenso wie im Rahmen ihrer Beratungspraxis gerne den Blick auf interdisziplinäres Zusammenwirken und damit u. a. auf Seminarangebote zur Förderung des Fachdialogs „Technik + Recht“ oder auch auf Themen wie Verhandlungsführung, Kommunikation und Kooperation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Planungsnachträge rechtsicher verhandeln und vereinbaren“.

FRAU SCHMITZ, NACHTRÄGE GEWINNEN IN ZEITEN BAUBEGLEITENDER PLANUNG AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT HIER DIE HERAUSFORDERUNGEN?

Der Kampf um die Durchsetzung von Nachträgen gehört für Planer zum Alltagsgeschäft. Allzu selbstverständlich werden Verträge noch immer ohne weitere Detaillierung der Leistungsinhalte in Anlehnung an die HOAI geschlossen. Dabei werden auch Akquiseleistungen zu haftungsrelevanten Beratungsleistungen, oder es werden Leistungen erbracht, die nicht oder nicht eindeutig genug vereinbart worden sind.

Ziel des Seminars war es, die hierfür praxisbedeutsamen Kenntnisse sowohl des werkvertraglichen Architekten- und Ingenieurrechts als auch des Preisrechts der HOAI für eine zielführende, rechtssichere und vor allem eine gute Geschäftsbeziehung wahrende Verhandlung von Planungsnachträgen zu vermitteln. So empfehle ich durchweg die vertragliche Vereinbarung eines Nachtragsprocedere, damit beide Vertragspartner vorab die praktische Handhabung von Nachträgen einvernehmlich entscheiden können. Denn dass es zu Nachträgen kommt, ist allen Beteiligten klar! Zu empfehlen sind hier also Regelungen über das Schriftformerfordernis einer Anordnung, Grundlagen der Honorarermittlung für Nachträge oder auch Fristen für Planlieferungen und korrespondierende Prüffristen. Zu erwägen sind auch Regelungen über die Zurverfügungstellung von Sicherheiten.

WELCHE FRAGEN HABEN DIE TEILNEHMER AUS DER PRAXIS EINGEBRACHT UND ZUM THEMA GEMACHT?

Die Fragen der Teilnehmer kamen „querbeet“ und betrafen sowohl das Werkvertragsrecht und das neue Bauvertragsrecht als auch honorarrechtliche Belange. So ging es etwa um die Frage, unter welchen Voraussetzungen der Planer die Leistung verweigern könne, in welchem Umfang die neuen Regelungen des Bauvertragsrechts auch für Planer gelten und in verschiedener Hinsicht um Fragen rund um das Thema der vertraglichen Vereinbarung von Leistungszielen und -inhalten.

Mein Eindruck war, dass die Teilnehmer durchaus mit Hilfe der dann hier aus rechtlicher Sicht entscheidenden Leitfrage „Was benötige ich, um das von mir versprochene Ziel zu erreichen?“ sowie der Möglichkeit, den Auftraggeber in punkto Lieferung von Fachplanungsleistungen vertraglich zur Mitwirkung zu verpflichten, praxistaugliche Handlungsoptionen für das Projektgeschäft mitnehmen konnten.

SCHNITTSTELLEN GEWINNEN IN DER PLANUNG UND IM BAUPROZESS AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT IM SINNE VON NACHTRÄGEN DIE HERAUSFORDERUNGEN?

Zum einen ist es für jeden Planer unumgänglich die eigenen Leistungsinhalte frühzeitig zu klären und möglichst nicht auslegungsbedürftig zu vereinbaren. Hierzu gehört vor allem die Bestimmung von Grenzen der eigenen Leistungsverpflichtung und fachtechnischen Verantwortlichkeit. Zum anderen fordern funktionierende Planungsabläufe gerade wegen ihrer Komplexität mehr denn je von jedem Beteiligten den Blick über den eigenen Tellerrand. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Rechtsprechung zu wechselseitigen Prüfpflichten zwischen Objekt- und Fachplanern.

12.04.2019

Feedback-Interview zum Seminar am 15.03.2019

Bauvertragsrecht 2018 - Grundlagen und erste Erfahrungen

Referent: RA Ulrich Eix

Ulrich Eix ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Menold Bezler. Als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht liegt seine Haupttätigkeit im privaten Baurecht, im Architekten- und Ingenieurrecht sowie in der Prozessführung. Der Referent ist Dozent an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft im Weiterbildungsstudium „Building Information Modeling“ und Mitglied im Koordinier- ungskreis des BIM CLUSTER Baden-Württemberg e.V. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Neues Bauvertragsrecht“.

Herr Eix, seit Anfang letzten Jahres ist das neue Bauvertragsgesetz in Kraft. Wie wirkt das Gesetz in der Praxis?
Eine Gesetzesnovellierung war überfällig, soweit so gut. Bisher gab es nur allgemeine Regelungen für die Gestaltung eines Werkvertrages. Besonderheiten von Bau- und Planerverträgen waren nicht berücksichtigt. Planen und Bauen ist ja immer wieder verbunden mit Anpassungen und Änderungen. Diese Flexibilität kannte das Gesetz bisher nicht. Jedoch sind die nun aufgestellten Regelungen für die Praxis suboptimal – um nicht zu sagen, schlecht. In Fachkreisen war man ernüchtert.

Dennoch ist das Gesetz geltendes Recht – leider ist es in der Praxis von Planern und Bauherren noch immer nicht angekommen. Die Neuregelung wird regelrecht ignoriert. Das soll kein Vorwurf sein! Es bestätigt lediglich, dass das Gesetz völlig am Bedarf vorbeigeht. An dieser Stelle will ich nur einen Punkt zum beliebten Thema „Nachträge“ herausgreifen: Möchte der Auftraggeber anstatt dem beauftragten großen Fenster doch lieber zwei kleine und teilt er dies dem Unternehmer mit, kann er erst nach 30 Tagen diese Änderung anordnen. Wer irgendwie schon einmal mit Bauen zu tun hatte, weiß, dass das in der Praxis nicht realistisch ist. Eine Verkürzung dieser Stillhaltefrist ist AGB-rechtlich problematisch, was sinnvolle vertragliche Lösungen schwierig macht.

Welche Folgen genau befürchten Sie?
Bauen wird im Zweifel länger dauern, mehr kosten und konfliktträchtiger. Das kann keiner wollen! Dem Bauherrn droht eine Überzahlung, da sich neuerdings Abschlagszahlungen für Leistungsänderungen nach dem, möglicherweise überteuerten, Nachtragsangebot des Unternehmers richten. Die unglücklichen Regelungen bedeutet allgemein zunächst einmal Rechtsunsicherheit. Man muss nun sehen, wie sie gelebt werden. Zu Ihrer Frage: Ich befürchte eine Verschiebung zu Gunsten der Bauwirtschaft und zu Ungunsten des Bauherrn. Das Gesetz geht am Ziel vorbei.

Was konnten Ihre Teilnehmer in die Praxis mitnehmen?
Zunächst einmal erstauntes Kopfschütteln. Aber im Ernst, vielen Teilnehmern war noch nicht klar, dass das Gesetz seit über einem Jahr gilt. Sie waren nach meinem Eindruck dankbar, mit dem Seminar ein erstes Gefühl für die aktuelle Rechtslage zu bekommen. Das gilt insbesondere für die anwesenden Planer, denn das neue Recht kann an einer entscheidenden Stelle leicht falsch interpretiert werden. Die nun vom Gesetz vorgesehene Teilabnahme von Planerleistungen setzt woanders an, als viele denken. Der Planer, der sich darum nicht kümmert, riskiert unter Umständen, seinen Versicherungsschutz zu verlieren. Ich denke, ich konnte aber auch ein paar Tipps vermitteln, wie jenseits der misslichen Rechtslage und unterschiedlichen Interessen und Perspektiven – ob Planer, Bauherr oder Bauwirtschaft – mit den aktuell gültigen Paragraphen ein erfolgreiches Projekt gestaltet werden kann.

20.02.2019

1. Netzwerkabend am 12.02.2019

LEBENSKUNST HEISST LEBEN LERNEN

360AKADEMIE STELLT SICH DER ANTIKEN PHILOSOPHIE UND IHRER WIRKSAMKEIT HEUTE

Stuttgart. Die vier Buchstaben „VUCA“ sind ein Akronym, es kursiert in Managementkreisen und soll angesichts der Digitalisierung und so manchen Auflösungstendenzen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen die aktuellen Verhältnisse in Wirtschaft und Gesellschaft zusammenfassen: volatility ‚Volatilität', ‚Unbeständigkeit', uncertainty ‚Unsicherheit', complexity ‚Komplexität' und ambiguity ‚Mehrdeutigkeit'. Schon die alten Griechen – insbesondere die Stoiker, die von 400 v. Chr. Bis 200 n. Chr. gewirkt haben – hatten bereits damals erkannt, dass die einzige Kontante im Leben Veränderung ist. Im Rahmen des 1. Netzwerkabends 2019 stellte die Münchner Philosophin Dr. Rebekka Reinhard im Rahmen eines interaktiven Vortrages vor rund 80 Gästen die rund zweitausend Jahre alten Erkenntnisse über die Philosophie der Lebenskunst und deren praktische Anwendung für den Alltag heute vor.

Ziel der Lebenskunst ist, trotz äußerer Umstände, auf die wir selbst keinen Einfluss haben, stark und mutig zu sein und immer sensibler und gegenwärtiger zu werden. In jedem Augenblick gehe es um die Frage, was „gut“, was „schlecht“ und was „gleichgültig“ ist – also nicht von einem selbst beeinflussbar. Basis der Lebenskunst sind praktische Übungen (Askeses), die in täglicher Praxis ein Leben lang in den Alltag Einzug finden sollen, um die eigene Persönlichkeit im Sinne der Haltung und Charakterbildung zu formen. Denn den ganzen Lebenslauf verstehen Stoiker als Schaffensperiode für das Werk des eigenen Lebens – im Sinne eines Kunstwerks, das zu gestalten ist. Wie ein Bildhauer, der sein Handwerk durch Übung erlernen und praktizieren und verfeinern muss, gilt es auch in der Lebenskunst, Techniken regelmäßig anzuwenden und immer weiter zu verbessern.

philosophische Praxis

Hierzu stellte Reinhard verschiedene Übungen vor: So solle man im Rahmen einer täglichen „Schreibpraxis“, eigene Gedanken oder Aussagen von anderen aufschreiben und danach memorieren. Die Philosophin stellte in Aussicht, dass sich diese starken Sätze in einem anreichern und einem bei Zeiten eine Hilfe sein könnten. Bei einer anderen Übung „Sprechen und Schweigen“, die sich etwa auch im Arbeitskontext umsetzen lässt, hält eine Person einen kleinen Vortrag zu einem Thema, die anderen hören ihm zu. Im Nachgang sprechen die Zuhörer aber nicht mehr darüber. Vielmehr solle sich jeder selbst mit dem Gesagten auseinandersetzen – ungestört sich seine Meinung bilden, ohne alles zu zerreden. Schließlich gehe es der Lebenskunst nicht um Eindeutigkeit – im Gegenteil gehe es um Selbstgestaltung ein Leben lang – erst der Tod markiert den Grenzstein. Bis dahin gilt es, die Welt in ihren Zusammenhängen und sich darin immer wieder neu zu erschließen.

So räumte Reinhard mit so manchem Halbwissen auf. Hinter dem bekannten Zitat „carpe diem“ (Horaz) etwa, das wörtlich übersetzt „pflücke den Tag“ bedeutet, stecke nicht nur wie oftmals übersetzt „nutze den Tag“ (..als wäre er Dein Letzter). Vielmehr gehe es für Stoiker darum, jeden Tag wie den ersten – offen und neugierig wie ein Kind, anzugehen. So verstehe sich Lebenskunst als immerwährender Versuch, als ständiges Experiment, sich selbst und Situationen, die einem passieren, neu zu befragen.

neugierig wie ein Kind

Im Trailer der „Sesamstraße“ heißt es, „Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm. 1000 tolle Sachen die gibt es überall zu sehen. Manchmal muss man fragen, um sie zu verstehen.“ Britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Eltern von kleinen Kindern etwa alle zwei Minuten eine Frage beantworten müssen – bis zu 400 Fragen pro Tag. Die neugierigsten Fragensteller sind Mädchen im Alter von vier Jahren. Der US-amerikanische Autor Warren Berger hat sich mit dem Thema befasst, warum eigentlich nur Kinder so viele Fragen stellen, Menschen im Erwachsenenalter damit aber aufhören. Er empfiehlt in einem Artikel für das Online-Magazin FastCompany, vor allem in Unternehmen wieder eine Fragenkultur zu kultivieren, weil er der Meinung ist, dass Fragen zu stellen, eher zu Innovationen führt, als auf alles eine Antwort parat zu haben.

Mit einem sogenannten Philo-Slam schloss die Referentin: Im Laufe des Vortrages hatte jeder Gast auf einer Handvoll Karten Begriffe, die ihn angesprochen hatten, notieren können. Zwei Teilnehmer lasen sie abwechselnd unkommentiert und ungeordnet dem Publikum vor: „Wandel, Glaube, Memorieren, Charakter, Gelassenheit, Wachskritzeleien, Neugier, Leben als Übung, Ethos, Sinn, Menschlichkeit, Trump, Werte, Stoiker, Lebenskunst, Staunen, angstfrei, Gleichgültigkeit, Zeit, Gegenwärtig ...“

27.12.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 08.11.2018 "Nachhaltigkeitsmanagement - Nachhaltigkeit messen, steuern und erfolgreich im Wettbewerb einsetzen"

Referent: Prof. Dr. Rainer Völker

Prof. Dr. Rainer Völker ist Leiter des Instituts für Management und Innovation an der Hochschule Ludwigshafen. Das Institut unterstützt Unternehmen bei verschiedenen Managementfragestellungen. Einer der Schwerpunkte und Kompetenzbereiche ist hier das Nachhaltigkeitsmanagement. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang über sein Seminar „Nachhaltigkeit messen, steuern und erfolgreich im Wettbewerb einsetzen.“

HERR PROFESSOR VÖLKER, DER BEGRIFF NACHHALTIGKEIT HAT SEIT JAHREN IN DER POLITIK KONJUNKTUR. IST DAS THEMA AUS IHRER SICHT DAMIT IN UNTERNEHMEN ANGEKOMMEN? 

Menschen und auch Unternehmen haben verstanden, dass wir die Verantwortung für unser Handeln tragen müssen. Sie haben auch begriffen, dass es für die Zukunft keine einfachen Lösungen geben wird. Nur ganzheitliche Ansätze haben das Potential, nachhaltig zu sein.

Das aber erfordert auf allen Ebenen ein neues Denken, ein anderes Mind-Set. Hier sehe ich das Potential noch nicht voll ausgeschöpft. Dabei meine ich nicht die Ebene der Ideen und Konzepte, sondern den Transfer in nachhaltige Produkte und Services. Es geht dabei auch nicht um einzelne Maßnahmen, die nachhaltiger sein könnten. Es geht ums große Ganze und um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Hier sehe ich in Unternehmen das größte Defizit und umgekehrt noch viel Luft nach oben.

WIE KOMMEN WIR DA HIN?

Das Wissen um nachhaltige Anforderungen seitens der gesetzlichen Rahmenbedingungen wie auch des Nutzerverhaltens ist oftmals sehr fundiert – wie das auch hier bei den Seminarteilnehmern mit Fachkenntnissen aus den Bereichen Architektur, Technik und Immobilienwirtschaft deutlich wurde. Nun geht es aber darum, Vorgaben nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern auf deren Basis das eigene Portfolio zu gestalten. Mir geht es also um den Innovationsgeist hinsichtlich Nachhaltigkeit im Unternehmen – das aber bitte weder mit der Brechstange noch mit erhobenen Zeigefinger. Ich rede von einer Innovationskultur im ganzheitlichen Sinne – von der Führungskraft bis zum Praktikanten.

Im Begriff der Nachhaltigkeit schwingt auch ein übergroßer Anspruch nach Vollkommenheit mit, das sich natürlich im echten Leben kaum erreichen lässt. Hier gilt es, das Ganze in Unterthemen zu segmentieren und jedes für sich greifbar zu machen. Dann kann man sich fragen, welche Zielgruppe hat welche Bedürfnisse, und wie kann ich hier mit den eigenen Leistungen neu ansetzen – womöglich auch in Kooperation mit einem Partner.

WIE LÄSST SICH DAS IN DIE PRAXIS UMSETZEN?

Nachhaltigkeit sehe ich nicht als Extrathema. Es sollte fest in die Unternehmensstrategie eingebunden sein, Themen neu zu betrachten gepaart mit Neugierde, Offenheit und Lust am Entwickeln und Verändern. Diese Aspekte dürfen kein Lippenbekenntnis bleiben. Sie müssen von Seiten der Geschäftsführung authentisch vorgelebt und als offene Einladung und zugleich als ernsthafte Erwartung an die Mitarbeiter herangetragen werden.

Dazu muss es Zeit und Raum geben, sich diesen Themen kontinuierlich in ihrer Arbeitszeit anzunehmen. Also etwa Formate wie solch ein Seminartag oder informelle Situationen, wo Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen und sich mit diesen Fragen austauschen und gemeinsam Ansätze erarbeiten – vielleicht auch in Form eines Wettbewerbs um die beste Lösung. Auch im Kleinen ist hierfür sicherlich eine Willkommenskultur für Ideen und Innovationen von Mitarbeiterseite eine fruchtbare Basis. Wie so oft, auch bei Nachhaltigkeit ist der Weg das Ziel.

05.12.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 17. und 18.10.2018 "Mehr Konzentration durch Bewegung - Lernen, Merken und Behalten auf unkonventionelle Art"

Trainer: Dr. Georg Kwiatkowski

Stuttgart. In Zeiten zunehmender Digitalisierung gewinnen Daten als valide Entscheidungsgrundlage immer mehr an Bedeutung, wie auch Effizienz und (Selbst-)Optimierung als Maßgaben für eine gelingende Zukunft erscheinen. Welches Potential aber hat der menschliche Faktor, der siebte Sinn – die Intuition? Laut Aussagen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin sind rund 50% der Entscheidungen in Unternehmen Bauchentscheidungen. Lassen sich Emotion und Verstand ganzheitlich verbinden? In welcher Weise kann jenseits von berechenbaren Fakten die emotionale Intelligenz in Projektarbeit und Personalführung einfließen? Diesen Fragen widmete sich der 3. Netzwerkabend: Den kurzweiligen Ausführungen des Hirnforschers Professor Martin Korte und einer interdisziplinären Gesprächsrunde im Anschluss folgten rund siebzig Gäste.

Die Vorstellung, es gäbe rationale Entscheidungen widerlegte Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig, gleich zu Beginn: „Immer lassen sich im Gehirn aktive Areale auch mit emotionalen Anteilen nachweisen.“ Intuition habe vor allen Dingen etwas mit Erfahrungswissen zu tun. Wer eine Situation erlebt, wird versuchen, Muster von bereits Bekanntem zu erkennen und so das aktuelle Geschehen einordnen, bewerten und danach handeln. Deshalb sind hier ältere Menschen klar im Vorteil. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und in komplexer werdenden Zeiten kann Intuition auch einen ganz pragmatischen Nutzen haben: So bemühen sich Softwareentwickler wie auch Architekten und Designer, die Bedienung von Programmen, die Orientierung im Raum und die Gebrauchsfähigkeit von Alltagsprodukten möglichst intuitiv, also den Verhaltens- und Wahrnehmungsgewohnheiten angepasst, zu gestalten.

EMPATHIE STÜTZT INTUTION

Nicht immer muss die intuitive Entscheidung aber richtig sein. Zu schnelle Entscheidungen etwa aus dem Affekt heraus sind ebenso fehleranfällig wie eine zu geringe Anzahl an Kriterien. Erst eine ausreichende und relevante Menge von Parametern, macht eine intuitive Entscheidung tragfähig. Je komplexer der Kontext, umso besser ist die intuitive gegenüber der rationalen Entscheidung. Ein weiterer Aspekt im Verstehen des intuitiven Entscheides sind die sogenannten Spiegelneuronen: Sie simulieren die Situation im Innern und bilden sie 1:1 ab. So haben wir die gleichen Emotionen wie unser Gegenüber. Die Empathie für den anderen beeinflusst wiederum unser Handeln.

Auch wenn es bei der Intuition um Erfahrungen und das Erkennen bekannter Muster geht, kann Intuition auch Quelle für Innovation sein − wer über ein entsprechend hohes Maß an Wissen verfügt. So hat etwa Albert Einstein seine Erkenntnisse gewonnen aus jahrelanger Forschung zeitlebens immer wieder neu miteinander kombiniert. Erst durch das Verlassen vertrauter Gefilde kam er durch Intuition zu neuem Wissen.  Dass Innovation nicht immer nachhaltig sein muss, zeigt etwa die Abkehr von der Atomkraft. Aus Chancen können durch neue Parameter eben auch Risiken werden. Auch im Kleinen erfordert intuitives Denken und Handeln im gleichen Maße auch das Etablieren einer Fehlerkultur, so Korte. Intuition erfordere Mut und Risikobereitschaft, betonte auch Christoph Hinderfeld, Vorstand DWE Weingüter Entwicklungs AG und Aufsichtsratsvorsitzender Die Zunft AG. Er ist Initiator und Betreiber der Arminiusmarkthalle in Berlin. Nach einer Pleite in jungen Jahren als Strumpffabrikant hat er die einst verwaiste Markthalle von 1891, die jahrelang keinen Investor fand, zu neuem Leben erweckt: Über 400 Stände und zahlreiche Event-Bereiche machen sie heute zu einem Anziehungspunkt der Hauptstadt über das Quartier hinaus, der auf authentische Produkte aus der Region setzt. 

AUTHENTISCHE ANSPRACHE

Revitalisierung ist auch Kernkompetenz der Beos AG, einem Entwickler und Betreiber von Gewerbeimmobilien. „Unter dem Motto ‚Weiter denken’ wollen wir Gewohntes Terrain verlassen, was Kontinuität aber nicht ausschließt,“ betonte Dr. Dominic de Vries, Beos AG Niederlassungsleiter Stuttgart und zuständig für Baden-Württemberg. „Als Unternehmen versuchen wir, Anregungen zu geben, den Blick zu Neuem zu öffnen“, berichtete Dagmar Hämmerling, Geschäftsführerin Kubus360 GmbH. Bei der Entwicklung und Bewirtschaftung im Hinblick auf Unternehmensimmobilien setzt Beos auf Objekte mit historischer Substanz, die Menschen emotional ansprechen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Kubus360 mit einer neuen Form zur Mitarbeitergewinnung: „Authentizität ist auch unser Stichwort“, berichtete Dagmar Hämmerling. Mehrere Kurzfilme für die Website will das Unternehmen aktuell potentielle Mitarbeiter auf emotionale Weise erreichen. „Der reine Informationsgehalt steht dabei bewusst hinten an“, so die studierte Controllerin, „vielmehr soll einfach die gelebte kollegiale und inspirierende Atmosphäre rüberkommen.“

27.12.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 11.10.2018 "In der Hitze des Eisberges - Konfliktwerkstatt"

„KOMMUNIKATION IST DYNAMISCH UND DAMIT VERÄNDERBAR!“

Trainerin: Brigitte Moosbrugger

Brigitte Moosbrugger ist Unternehmensberaterin und zertifizierte Moderatorin für Dialogprozesses in Anlehnung an das Dialogprojekt des MIT (Massachusetts Institute of Technology). Im Nachgang ihres Seminars „In der Hitze des Eisbergs“ sprach Insa Lüdtke mit ihr über ihre Eindrücke.

FRAU MOOSBRUGGER, KONFLIKTWERKSTATT KLINGT ANSTRENGEND. WORUM GENAU GING ES IM SEMINAR? 

Es gibt ja ganz unterschiedliche Konflikte. Oftmals entstehen sie aus der Situation, also eher aus der Rollensituation, die wir und das Gegenüber einnehmen oder auch zugewiesen bekommen etwa in einem Projekt. Als Projektleiter agiere ich womöglich anders als in der Rolle des Mitarbeiters.

Das kann irritieren – nicht nur den anderen, auch ich selbst fühle mich damit vielleicht nicht wohl oder noch nicht vertraut. Also auch ein innerer Konflikt kann sich auf das Miteinander auswirken. Das Eisbergmodell veranschaulicht unsere Wahrnehmung der zwischenmenschlichen Kommunikation im Sinne der so genannten 80/20-Regel des Pareto-Prinzips: Wie beim Eisberg ist uns der Großteil unserer Motive für unser Verhalten nicht bewusst.

KONFLIKTE KANN MAN DESHALB ALSO GAR NICHT VERMEIDEN? 

Zunächst geht es darum, sich der Konfliktpunkte und ihrer Auswirkungen bewusst zu werden. Und zu verstehen, dass Kommunikation keineswegs eindeutig ist. Beide Seiten haben berechtigte Anliegen. Es geht immer in beide Richtungen – um Absenden und Empfangen. Aber sehen wir es positiv: Kommunikation ist dynamisch und damit veränderbar! Sicherlich ist es besonders herausfordernd, wenn zwei Menschen in Konflikt geraten, die sich im Streit sehr unterschiedlich verhalten – etwa cholerisch und defensiv.

Zurück aber zu Ihrer Frage: Es gibt sicherlich nicht die eine und schon gar keine einfache Lösung. Aber ganz praktisch: Eine klare Aufgabenteilung und Kompetenzverteilung verringert das Konfliktpotential. Dann aber geht es auch um das Bewusstsein für die Wirkung des eigenen Verhaltens – nur das kann ich selbst beeinflussen und darum, zu unterscheiden zwischen Sachebene und Persönlichem. So ist es sinnvoll, sensibler zu werden für die Resonanzen im Miteinander. Wer Themen frühzeitig anspricht, muss nicht explodieren, wenn es brennt. Organisationen tun gut daran, wenn sie eine Feedback-Kultur pflegen.

IST DAS IM UNTERNEMEN ODER IM PROJEKTTEAM SO EINFACH? 

Letztlich geht es um Authentizität und Ebenbürtigkeit von Mensch zu Mensch. Es braucht Mut, zu sagen, was ich meine und eben nicht einfach die Erwartungen zu erfüllen. Dafür braucht es einen geschützten Raum, Vertrauen und Empathie – ein solches Seminar ist dafür ein optimales Labor. Wer das erlebt hat, trägt es hinaus.

27.12.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 26.04.2018 "Kostenplanung nach DIN 276 - die Neufassung von 2018"

Referent: Dipl.-Ing. (FH) Architekt Werner Seifert

Dr. Georg Kwiatkowski ist promovierter Chemiker, wandte sich 1990 jedoch hauptberuflich dem Bereich Gesundheit und Prävention zu – basierend auf der Feldenkrais-Methode. Ergänzend nutzt er seine vielfältigen Erfahrungen als Heilpraktiker. So arbeitet er ganzheitlich als Seh- und Stimmtrainer sowie als Feldenkrais-Pädagoge. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Workshops „Mehr Konzentration durch Bewegung – Lernen, Merken und Behalten auf unkonventionelle Art.“

HERR KWIATKOWSKI, GEMEINHIN HEISST ES JA, IN DER RUHE LIEGE DIE KRAFT. IHR SEMINAR TRUG NUN DEN TITEL“MEHR KONZENTRATION DURCH BEWEGUNG – LERNEN, MERKEN UND BEHALTEN AUF UNKONVENTIONELLE ART“. WAS GENAU WAR DER ANSATZ? 

In Bewegung können wir unseren Körper bewusster wahrnehmen. Wir reden hier allerdings von sanften und langsamen Bewegungen. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit wird durch Bewegung auf den eigenen Körper zentriert. So entsteht mit sanfter Bewegung relative Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Das Gedankenkarussel im Kopf wird durchbrochen, der Stresspegel von Disstress zu Eustress gesenkt. Man unterscheidet ja zwei Arten von Stress: negativen Stress (auch Disstress oder Dysstress) und positiven Stress (auch Eustress). Aus dieser Entspannung heraus kann dann Konzentrieren, Lernen und Memorieren leichter gelingen.

NOCHMAL ZURÜCK ZU IHREM TITEL, SIE SAGEN „..AUF UNKONVENTIONELLE ART..“: WIE PRAXISORIENTIERT IST DAS FÜR DEN ARBEITSALLTAG, DER JA IMMER MEHR IM GROßRAUMBÜRO UND IM MEETING STATTFINDET?

Es geht hier ja nur um kleinere Abweichungen von Bewegungen manchmal auch einfach durch Bewusstheit und Langsamkeit – sie werden vermutlich einem Gegenüber kaum auffallen und benötigen keine besondere Kleidung. Es geht also vielmehr um eine Kurzpause von maximal 30 Sekunden und ist somit am Arbeitsplatz sehr gut integrierbar.

Da der Körper diese neuen Bewegungsmuster als angenehme Erfahrung wahrnimmt, werden sie nach kurzer Zeit zur Routine. Der gewünschte Effekt der Zentrierung und der Stresstransformation kann bereits in Andeutungen wirksam werden.

DAS RENTENEINTRITTSALTER VERSCHIEBT SICH IMMER WEITER NACH HINTEN. WIE KÖNNEN WIR HIER DIE POTENTIALE VON FELDENKRAIS BIS INS HOHE ALTER NUTZEN?

Die sanften Bewegungen helfen immer wieder und immer leichter in einen zentrierten Zustand zu gelangen, so dass Lernen, Merken und Behalten deutlich effektiver werden.

Gerade mit zunehmendem Alter ist die Feldenkrais-Methode ein gutes Mittel, dem Kräfteverschleiß durch einseitige Tätigkeiten entgegen zu wirken und die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten. Darüber hinaus kann die wachsende Sensibilisierung für die eigene Körperwahrnehmung auch altersbedingte Sinneseinschränkungen ausgleichen.

19.11.2018

3. Netzwerkabend 2018 am 13.11.2018

JE KOMPLEXER DER KONTEXT, UMSO BESSER DIE INTUITION

360AKADEMIE STELLT SICH DEN POTENTIALEN DER INTUITION

Dr. Ralf Friedrich hat über 20 Jahre Erfahrung als Coach internationaler, virtueller Projekte. Sein Fokus liegt auf interaktiven Workshops und Seminaren in virtuellen Umgebungen wie etwa “live-Klassenzimmer“. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Seminars „Virtuelle Kommunikation“.

HERR DR. FRIEDRICH, DIGITALISIERUNG IST IN ALLER MUNDE. WIR KOMMUNIZIEREN BERUFLICH WIE PRIVAT IMMER MEHR VIRTUELL. WO STEHEN WIR IHRER MEINUNG NACH AKTUELL MIT DEM THEMA?

Auch über zehn Jahre nach Erfindung des Smartphones und vier Jahrzehnten Email stehen wir hierzulande immer noch in den Kinderschuhen, gerade die Immobilienwirtschaft ist hier recht konservativ. Wir verwenden zwar alle virtuelle Medien – nutzen aber bei Weitem nicht ihr Potential.

WORAN LIEGT DAS?

Virtuelle Kommunikation wird oftmals – so schnell zur Hand und komfortabel ihr Einsatz auch ist – überladen mit Informationen, Motive werden vermischt oder auf Form verzichtet. Eine Email ist eben kein Brief.

Es braucht fundierte Medienkompetenz, hier ist jeder selbst gefordert. Man kann aber lernen, mit welchem Medium ich mein Anliegen und in adäquater Weise kommunizieren kann. Dabei ist das Medium zunächst sogar zweitrangig. Es sind vielmehr strategische Überlegungen und dann erst deren Umsetzung.

Und es macht einen Unterschied, ob ich bei meinem Gegenüber eine Entscheidung herbeiführen oder für Inhalte sensibilisieren will. Hier ist es wichtig, sich seiner Rolle und seiner Ziele bewusst zu sein. Das gilt natürlich auch im analogen Kontakt. Im virtuellen Austausch braucht es aber noch mehr Einfühlungsvermögen ins Gegenüber. Da die persönlichen Parameter entfallen wie Blickkontakt oder bei einer Email auch die Stimme. Es geht also darum, mein Anliegen zunächst nach Botschaften zu filtern und gerade Texte hinsichtlich der Lesbarkeit und Ansprache klar zu strukturieren. Auch hier gilt, weniger ist mehr selbst bei der Verwendung einer Textnachricht.

HABEN SIE BEI DER DURCHFÜHRUNG DES SEMINARS UNTERSCHIEDE ZUM LETZTEN JAHR FESTGESTELLT?

Wieder waren die Teilnehmer sehr offen und neugierig. Wie im letzten Jahr haben wir dem Tagesseminar im Nachgang ein virtuelles Meeting nachgeschaltet, was erneut sehr gut ankam. Hier konnten die Teilnehmer schon einmal in der Praxis erste, positive Erfahrungen machen. Die meisten haben hier noch wenig Erfahrung. Gerade im Hinblick auf den steigenden Zeitaufwand für Mobilität – ob ins Büro oder zum Meeting – wird dies als Lösung und vielversprechende Form der Arbeitsentlastung gesehen.

12.11.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 26.07.2018 "Virtuelle Kommunikation"

Trainer: Dr. Ralf Friedrich

„WIR VERWENDEN ZWAR ALLE VIRTUELLE MEDIEN – NUTZEN ABER BEI WEITEM NICHT IHR POTENTIAL!“

Anke Quittschau ist studierte Diplom-Betriebswirtin und verfügt aufgrund langjähriger Tätigkeiten in der Automobil- und Versicherungsbranche über Kompetenzen in den Bereichen Vertrieb, Kommunikation, Karriere und Auftreten. Mit diesem Wissen begleitet sie seit 15 Jahren unter ihrem Label „korrekt!“ Fach- und Führungskräfte bei ihrer Weiterentwicklung. Mit der Fachbuchautorin („Business-Knigge – die 100 wichtigsten Benimmregeln“) sprach Insa Lüdtke im Nachgang ihres Seminars „Ihr professioneller Auftritt – Business Knigge 2.0“.

FRAU QUITTSCHAU, IN ZEITEN FLACHER WERDENDER HIERARCHIEN UND EINES WACHSENDEN CREDOS „ANYTHING GOES“ – IST GUTES BENEHMEN ÜBERHAUPT NOCH WICHTIG?

Absolut, es ist ein Trugschluss, dass alles erlaubt wäre! Das ist den Menschen ja auch bewusst. Ich erlebe hier eine große Unsicherheit in allen Branchen und auch über Generationen und Hierarchiegrenzen hinweg. Deshalb hat es mir auch so gut gefallen, dass sich im Seminar diese Vielfalt der Teilnehmer widergespiegelt hat. Gerade weil immer stärker Individualität gepriesen wird, geht es letztlich um die Toleranz und Wertschätzung gegenüber dem anderen.

WIE BRINGEN SIE DEN KNIGGE-GEDANKEN AN DEN MANN BZW. AN DIE FRAU?

Es geht mir nicht um die Vermittlung eines festen Regelwerks, das wäre sicherlich nicht zeitgemäß. Vielmehr versuche ich, Sicherheit durch Orientierung zu vermitteln. Das Fundament hierfür ist ein wertschätzender Umgang im Miteinander. Es geht also eher um die Rolle und die dazu korrespondierenden Verantwortlichkeiten in einer konkreten Situation. Was hier korrekt ist, mag in einer anderen Situation als unpassend empfunden werden. Sicherlich geht es auch immer um Authentizität – man darf auch einmal seine eigene Unsicherheit im Umgang mit einer Situation äußern. Auch eine Portion Humor kann hilfreich sein. Beides verschafft einem Respekt, und darum geht es ja letztlich.

Im Seminar haben wir ganz unterschiedliche Situationen im Berufsalltag im Kontakt – ob mit Kunden oder im Projektteam – betrachtet wie etwa die Begrüßung, den Smalltalk oder auch eine gemeinsame Autofahrt.  Hierzu habe ich Impulse gegeben, und wir haben in der großen Runde etwa im Rahmen eines Quiz wie auch in Kleingruppen dazu gearbeitet.

WIE SEHEN SIE IN DIESEM ZUSAMMENHANG DIE ZUNEHMENDE ROLLE VON SOCIAL MEDIA IM BERUF?

Sie machen die Fragestellung nochmals komplexer. Unsicherheit, Missverständnisse und Konfliktpotential sind vorprogrammiert: Die neuen Kanäle kommen zwar oftmals informell daher, fordern aber dennoch Verbindlichkeit, eine gewisse Form wie auch oftmals eine unmittelbare Reaktion. Es stellt sich einem damit noch öfter die Frage, zu welchem Zeitpunkt, in welcher Form und mit welchen Details ich an mein Gegenüber herantrete – Stichwort „Work-Life-Balance“: Dies ist dann letztlich wieder eine grundsätzliche Frage der Wertschätzung gegenüber dem anderen aber natürlich auch gegenüber mir selbst.

03.09.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 19.07.2018 "Ihr professioneller Auftritt - Business Knigge 2.0"

Trainerin: Anke Quittschau

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen. Einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte ist die Weiterbildung für Baubeteiligte. Hier richtet sie ebenso wie im Rahmen ihrer Beratungspraxis gerne den Blick auf interdisziplinäres Zusammenwirken und damit u. a. auf Seminarangebote zur Förderung des Fachdialogs „Technik + Recht“ oder auch auf Themen wie Verhandlungsführung, Kommunikation und Kooperation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Schnittstelle Objektplanung – Fachplanung“.

„DIE KERNFRAGE LAUTET, WIE KANN ES UNS GELINGEN KANN, OPTIMALE VERHANDLUNGSERGEBNISSE FÜR ALLE BETEILIGTEN ZU ERZIELEN!“

FRAU SCHMITZ, SCHNITTSTELLEN GEWINNEN IN DER PLANUNG UND IM BAUPROZESS AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT HIER DIE HERAUSFORDERUNGEN?

Zum einen ist es für jeden Planer unumgänglich die eigenen Leistungsinhalte zu klären und möglichst nicht auslegungsbedürftig zu vereinbaren. Hierzu gehört vor allem die Bestimmung von Grenzen der eigenen Leistungsverpflichtung und fachtechnischen Verantwortlichkeit. Zum anderen fordern funktionierende Planungsabläufe gerade wegen ihrer Komplexität mehr denn je von jedem Beteiligten den Blick über den eigenen Tellerrand. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Rechtsprechung zu wechselseitigen Prüfpflichten zwischen Objekt- und Fachplanern.

WAS HABEN DIE TEILNEHMER – VIELLEICHT AUCH IM VERGLEICH ZUM SEMINAR IM VERGANGEN JAHR – AUS DER PRAXIS EINGEBRACHT UND ZUM THEMA GEMACHT?

Vielleicht wenig erstaunlich und doch für mich augenfällig war auch dieses Mal der von den Teilnehmern artikulierte vermeintliche „Widerspruch zwischen Recht und Wirklichkeit“: Besonders deutlich wurde dies etwa beim Thema „baubegleitende Planung“ und der Frage, wie denn dann mit noch fehlenden Fachplanungsleistungen umzugehen sei und wie man sich auf der sicheren Seite bewegen könne.

Mein Eindruck war, dass die Teilnehmer durchaus mit Hilfe der dann hier aus rechtlicher Sicht entscheidenden Leitfrage „Was benötige ich, um das von mir versprochene Ziel zu erreichen?“ sowie der Möglichkeit, den Auftraggeber in punkto Lieferung von Fachplanungsleistungen vertraglich zur Mittwirkung zu verpflichten, praxistaugliche Handlungsoptionen für das Projektgeschäft mitnehmen konnten!

WO SEHEN SIE HINSICHTLICH DER KOMMUNIKATION INSGESAMT MÖGLICHLEITEN FÜR ALLE PARTEIEN, EINEN KONFLIKT PROAKTIV ZU VERMEIDEN?

Zu beobachten ist häufig, dass ganz offen oder im Stillen emotionale Faktoren sachlich orientierte Verhandlungen erheblich beeinflussen, wenn nicht sogar verhindern können. Diese Erkenntnis war für die amerikanischen Juristen Roger Fisher und William Ury der Harvard Universität Ausgangspunkt für die Entwicklung eines alternativen Verhandlungsansatzes – Anfang der 80er Jahre erstmals unter dem Titel „Getting to Yes“ – zu Deutsch „Das Harvard-Konzept“ – veröffentlicht. Seither hat sich diese Verhandlungsmethode weltweit in vielfältigen Beratungszusammenhängen erfolgreich bewährt.

Die zu beantwortende Kernfrage lautet: „Wie kann es uns gelingen, optimale Verhandlungsergebnisse für alle Beteiligten zu erzielen?“ Das Harvard-Konzept ist einfach, es beruht auf vier Grundsätzen: Am Anfang steht die Erkenntnis, dass Verhandlungspartner zu allererst Menschen sind. Die erste Regel appelliert an unsere Bereitschaft, uns mit Respekt und Aufmerksamkeit um etwaige emotionale zwischenmenschliche Belange unmittelbar zu kümmern, um auf dieser Grundlage „Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln“ zu können – dies ist der erste Grundsatz. Diese strikte Trennung ist damit Ausgangsbasis für sachbezogenes Verhandeln – wobei jedoch der Verhandlungspartner nicht als Mensch ausgeklammert wird, sondern lediglich die zwischenmenschliche Ebene aus dem konkreten Verhandlungskontext.

03.09.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 05.07.2018 "Schnittstelle Objektplanung - Fachplanung: Leistungen kennen, koordinieren, integrieren - Risiken reduzieren"

Referentin: RA Elke Schmitz

Ulrich Eix ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Menold Bezler. Als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht liegt seine Haupttätigkeit im privaten Baurecht, im Architekten- und Ingenieurrecht sowie in der Prozessführung. Der Referent ist Dozent an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft im Weiterbildungsstudium „Building Information Modeling“ und Mitglied im Koordinier- ungskreis des BIM CLUSTER Baden-Württemberg e.V. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Neues Bauvertragsrecht “.

Herr Eix, Fachanwälte für Baurecht hatten sich stark gemacht für das neue Bauvertragsgesetz, das seit dem 01.01.2018 in Kraft ist. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Das stimmt, eine Gesetzesnovellierung war überfällig. Bisher gab es nur allgemeine Regelungen für die Gestaltung eines Werkvertrages. Besonderheiten von Bau- und Planerverträgen waren nicht berücksichtigt. Planen und Bauen ist ja immer wieder verbunden mit Anpassungen und Änderungen. Diese Flexibilität kannte das Gesetz bisher nicht. Jedoch sind die nun aufgestellten Regelungen für die Praxis suboptimal – um nicht zu sagen, schlecht. In Fachkreisen ist man ernüchtert.

Das Gesetz ist in der Branche ein Aufreger, es birgt vielerlei Sprengstoff! An dieser Stelle will ich nur einen Punkt zum beliebten Thema „Nachträge“ herausgreifen: Möchte der Auftraggeber anstatt dem beauftragten großen Fenster doch lieber zwei kleine und teilt er dies dem Unternehmer mit, kann er erst nach 30 Tagen diese Änderung anordnen. Wer irgendwie schon einmal mit Bauen zu tun hatte, weiß, dass das in der Praxis nicht realistisch ist. Eine Verkürzung dieser Stillhaltefrist ist AGB-rechtlich problematisch, was sinnvolle vertragliche Lösungen schwierig macht.

Welche Folgen genau befürchten Sie?
Bauen wird im Zweifel länger dauern, mehr kosten und konfliktträchtiger werden. Das kann keiner wollen! Dem Bauherrn droht eine Überzahlung, da sich neuerdings Abschlagszahlungen für Leistungsänderungen nach dem, möglicherweise überteuerten, Nachtragsangebot des Unternehmers richten. Die unglücklichen Regelungen bedeuten allgemein zunächst einmal Rechtsunsicherheit. Man muss nun sehen, wie sie gelebt werden. Zu Ihrer Frage: Ich befürchte eine Verschiebung zu Gunsten der Bauwirtschaft und zu Ungunsten des Bauherrn. Das Gesetz geht am Ziel vorbei.

Was konnten Ihre Teilnehmer in die Praxis mitnehmen?
Vielen Teilnehmern war wohl noch nicht klar, dass das Gesetz bereits gilt. Mit dem Seminar konnten sie ein erstes Gefühl für die aktuelle Rechtslage bekommen. Trotz der unterschiedlichen Interessen und Perspektiven – ob Planer, Bauherr oder Bauwirtschaft – geht es letztlich ja für alle Beteiligten um ein erfolgreiches Projekt.

30.07.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 27.04.2018 "Neues Bauvertragsrecht"

Referent: RA Ulrich Eix

Stuttgart. Der 2. Netzwerkabend widmete sich den Potentialen und Herausforderungen von „Neuer Arbeit“ auch im Hinblick auf die Anforderungen an die Immobilie. Der lebendigen und zeitweise kontroversen Podiumsdiskussion folgten rund einhundert Gäste unter dem Motto „Arbeitest Du noch, oder loungst Du schon?“. Stilecht nahmen die vier Panelgäste – eine Arbeitspsychologin, eine Architektin, ein Trendscout und ein Unternehmensvertreter – auf Strandstuhl sowie Lounge-Sesseln Platz.

Aktuell gibt es 18 Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland. Angesichts technischer Möglichkeiten und der Anforderung wie auch dem Wunsch nach mehr Flexibilität bieten immer mehr Unternehmen das Arbeiten im Homeoffice an. Parallel zu diesem Trend ist die Rückbesinnung auf das Büro als identitäts- und sinnstiftender Begegnungsort zu beobachten. „In Zukunft ist immer mehr Wissensarbeit im Team gefragt“, betonte Prof. Anna Steidle. Sie ist Arbeitspsychologin und lehrt und forscht an der Hochschule Ludwigsburg.

VOM MITARBETER ZUM MENSCHEN

Vernetzung im Sinne der Digitalisierung ist damit keine nur mehr technische Frage, sie durchdringt und verändert auch wirtschaftliche Strukturen und soziale Beziehungen. Dies erfordert neue Konzepte für die Arbeitswelt im Sinne einer Wir-Kultur: „Statt um den eignen Schreibtisch gehe es vielmehr um eine inspirierende Atmosphäre und die intelligente Nutzung von Ressourcen und Raum“, erläuterte Raphael Gielgen. Er ist als Trendscout für den Büromöbelhersteller Vitra weltweit aktiv. „Menschen wollen auch in diesen modernen Zeiten Sicherheit und einen klaren Kurs, seien Sie der Kapitän!“

Im Sinne der „Neuen Arbeit“ gehe es um Gemeinschaft, Austausch und Teilen von Wissen und Erfahrungen – Technik sei dabei nur Mittel zum Zweck, ergänzte Jens Schlüter. Der studierte Bauingenieur ist international für das Facility Management bei Ebay verantwortlich: „Lebensqualität wie etwa Aspekte der Individualisierung und Entschleunigung (Work-Life-Balance) gewinnen an Bedeutung.“ Den Betrieb der Immobilie verstehe er als Basisleistung – seine Kernaufgabe sei vielmehr das Wohlergehen der Nutzer, seiner Mitarbeiter und Kollegen, in den Gebäuden. Weiche Faktoren wie eine kommunikative Atmosphäre mit informellem, wohnlichem Charakter und ergänzenden Services, die das Leben erleichtern, rücken in den Fokus im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Unternehmen begreifen ihre Mitarbeiter ganzheitlich als Menschen mit individuellen Kompetenzen und Bedürfnissen.

LEBENSLANGES LERNEN

In Zeiten schwindender Hierarchien werde auch von Mitarbeiterseite die Beteiligung an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen immer stärker eingefordert und gleichermaßen von Unternehmensseite ebenso erwartet. „Partizipation heißt das Stichwort“, so die Architektin und Geschäftsführerin von Kubus360, Cathrin Dietz. Hier sei jeder im Sinne der Selbstentwicklung gefordert, wobei auch die Unternehmen weiterhin Orientierung im Sinne einer Fürsorgeverantwortung hätten, stellte Gielgen heraus. Gerade im Hinblick auf die steigende Lebenserwartung gebe es keine linearen Karrieren mehr – vielmehr gehe es darum, sein Profil eigenverantwortlich und kontinuierlich aktiv selbst zu gestalten. „Die Arbeitswelt geht einher mit lebenslanges Lernen“, unterstrich Cathrin Dietz. Deshalb müssten Arbeitswelten ebenso Lernlandschaften sein, wie sie in innovativen Schulbauten Einzug halten.

04.07.2018

2. Netzwerkabend 2018 am 26.06.2018

„DAS BÜRO IST TOT. LANG LEBE DAS BÜRO!“

360AKADEMIE STELLT SICH NEUEN ARBEITSWELTEN

Carmen Kauffmann ist seit 1995 selbständige Trainerin und Coach mit Schwerpunkten im Bereich Kommunikation, Rhetorik, Verhandlungstraining, Diplomatie und Frauen in Führung. Frau Kauffmann studierte Rhetorik und Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, mit ihr sprach Insa Lüdtke über ihre Eindrücke zum Seminar „Erfolgsfaktor Diplomatie – Vom diplomatischen Umgang mit unklaren Situationen“.

FRAU KAUFFMANN, DER BEGRIFF DER DIPLOMATIE KOMMT AUS DER (AUßEN-)POLITIK. WAS HAT ES DAMIT IM BERUFSLEBEN GERADE IN ZEITEN EINER STEIGENDEN BEDEUTUNG VON PROJEKT- UND TEAMARBEIT AUF SICH? 
In Projekten knallen sehr unterschiedliche Bedürfnisse, Perspektiven und Anliegen aufeinander. Außerdem stehen Unternehmen, Projekte und letztlich damit die Verantwortlichen immer mehr unter Zeit- und Kostendruck. All das ist sehr geeignet, beim Menschen Stress zu erzeugen.

Unter Stress reagieren wir typischerweise mit dem archaischen Muster-Dreiklang „Angreifen-Weglaufen-Totstellen“. All das ist weder hilfreich noch professionell. Insofern ist es von gravierender Bedeutung, sich zum einen selbst steuern zu können um zum anderen auch Gespräche und damit die Zusammenarbeit professionell, konstruktiv und lösungsorientiert zu gestalten. Das ist nicht nur eine Frage der „richtigen“ Kommunikation, sondern auch und vor allem einer professionell wertschätzenden Haltung – gegenüber allen Beteiligten und deren Anliegen.


WIE HABEN SIE SICH ZUSAMMEN MIT DEN TEILNEHMERN DEM THEMA GESTELLT? UND WAS NEHMEN DIE TEILNEHMER KONKRET MIT? 

Die TeilnehmerInnen haben ihre eigene Haltung in konkreten „schwierigen Situationen“ miteinander reflektiert. Sie haben Instrumente zur Selbststeuerung und zur diplomatischen Kommunikation gelernt und anhand eigener Praxisbeispiele durchdekliniert.

Konkret nehmen die TeilnehmerInnen (hoffentlich) mit, dass Diplomatie nichts mit nett sein zu tun hat, Sympathie völlig überbewertet wird und Selbststeuerung vor Gesprächssteuerung geht. Wir können niemandem Respekt vorheucheln – es geht vielmehr darum, Respekt aufzubringen und sich selbst in eine professionelle Haltung zu bringen. Wenn wir diese haben, können wir alle diplomatisch sein.

FRAUEN KOMMEN IM BERUFSLEBEN ZUNEHMEND IN VERANTWORTUNG. STEIGT DAMIT DIE BEDEUTUNG VON DIPLOMATISCHEM GESCHICK – AUCH FÜR MÄNNER?

„Diplomatie“ wurde ja klassisch viel mehr mit der Domäne der Politik assoziiert – und war damit auch eher eine Fähigkeit, die man – vor allem beruflich – mit Männern in Verbindung gebracht hat. Im Privaten hat man dazu prototypisch eher die Frauen in die Pflicht genommen. Ich vermute durchaus, dass die Fähigkeit, diplomatisch – das heißt für mich radikal wertschätzend – mit Unterschiedlichkeit umzugehen, in unserer Zeit zunimmt. Das hängt mit dem Verständnis von „Diversity“ in allen Facetten zusammen: also nicht nur im Sinne anderer Geschlechterverhältnisse in verantwortlichen Positionen, sondern auch letztlich für die Auswirkungen der Globalisierung. Ich bin da ganz positiv, wir können schon heute bei den jüngeren Generationen ein radikal anderes Wertesystem beobachten.

13.07.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 21.06. + 22.06.201 "Erfolgsfaktor Diplomatie"

Trainerin: Carmen Kauffmann

Prof. Rasso Steinmann lehrt und forscht an der Hochschule München im Fachgebiet Bauinformatik. Seine Erfahrungen bauen auf zehn Jahren Softwareentwicklung in der Industrie (3D-CAD, Expertensysteme, Facility Management, BIM-Plattformen) auf – gefolgt von über 20 Jahren Lehre, Forschung, Standardisierung und Beratung. Er ist Fachautor und regelmäßig Referent bei Konferenzen und im Bereich der Weiterbildung. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Einführung BIM (Building Information Modeling) im eigenen Unternehmen“.

HERR PROFESSOR STEINMANN, WO HABEN SIE DIE TEILNEHMER HINSICHTLICH BIM ABGEHOLT?

Zunächst kann ich sagen, dass alle ein großes Interesse am Thema mitgebracht haben. Auf Grund der unterschiedlichen Aufgabengebiete brachten sie naturgemäß unterschiedliche Voraussetzungen mit. So stecken einige schon tief im Thema drin, andere wollten sich erst einmal orientieren.

WIE SIND SIE DANN AN DAS THEMA HERANGEGANGEN?

Die gemeinsame Ausgangsbasis war natürlich BIM. Wobei ich versucht habe, es nicht als IT-Thema zu vermitteln. Es sollte also nicht um Datenformate und Tools gehen, sondern wir haben uns mit den strategischen Fragen beschäftigt. Bei BIM geht es vielmehr um den Umgang mit zusätzlichen Informationen wie etwa für Materialanforderungen, Wärmebedarfsrechnungen oder Schallschutz – nicht zu vergessen die Mängelbeseitigung.

Die Frage ist, wer kann welche Informationen zu welchem Zeitpunkt beitragen? Es geht also zunächst um neue Spielregeln bei der Weitergabe von Daten gerade im Zusammenspiel zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Das ist noch nicht alles zur Gänze geklärt. BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen – ich sehe das als Chance. Heute verteilt mancher Projektleiter die Informationen nach Gusto, eine Plattform macht diese Funktion in Zukunft obsolet.

WAS BEDEUTET DAS FÜR UNTERNEHMEN – AUF BAUHERRN- UND AUF PLANERSEITE?

In jedem Fall ist es wichtig, Strukturen wie etwa Vorlagen zu etablieren, sonst läuft man Gefahr, in alte Vorgehensweisen zurückfallen. Wie man dies umsetzt, hängt in erster Linie von der Unternehmensgröße ab: Ab 50 Mitarbeitern aufwärts braucht es einen internen BIM-Beauftragten, bei kleinen Unternehmen kann das in Personalunion mit anderen Verantwortlichkeiten geschehen, eine externe Einführung und kontinuierliche Begleitung kann hilfreich sein.

Bauherren und deren Vertreter müssen sich damit auseinandersetzen, wann sie welche Informationen in Form von Daten benötigen. Planer müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie die Informationen digital zur Verfügung stellen können - das alles natürlich nicht als Selbstzweck, sondern unter der Maßgabe, die Produktivität und Qualität für alle Beteiligten zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang sei noch auf ein grundsätzliches Problem hingewiesen: Die Baubranche leidet unter massivem Fachkräftemangel. Gleichzeitig kommen vermehrt Menschen der geburtenstarken Jahrgänge in das Ruhestandsalter. Die Baufakultäten an den Universitäten und Hochschulen sind am obersten Limit ihrer Kapazitätsgrenzen. Es werden also auf absehbare Zeit nicht mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt kommen als heute. Ich sehe in dieser Situation nur drei Wege, wie das gelöst werden kann: Entweder wir werben Fachkräfte aus dem Ausland an, oder ausländische Unternehmen drängen zunehmend in den deutschen Markt, oder wir erhöhen erheblich die Produktivität im Bauwesen. BIM als wichtige Komponente der Digitalisierung im Bauwesen liefert eine Chance, die Produktivität zu erhöhen.

WIE KANN AUS IHRER SICHT DANN DER ÜBERGANG HIN ZU BIM GELINGEN?

Hierfür braucht es eine Keimzelle des Übergangs: Idealerweise lässt sich der Wandel hin zu BIM an einem Pilotprojekt, das gleichzeitig parallel in der alten und der neuen Welt durchgeführt wird, für alle am anschaulichsten vollziehen. Man kann schließlich die Praxis nicht 1:1 aus der Theorie denken. Die Nordischen Länder sind uns hier um einiges voraus. Deutschland muss aufholen, die gemütliche Zeit ist vorbei! Ich sehe auch das aber optimistisch: Denn Datenaustausch mit BIM in Zukunft wird so unkompliziert wie ein Facebook-Chat.

21.05.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 22.02.2018: BIM - Einführung im eigenen Unternehmen

„BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen!“

Referent: Prof. Rasso Steinmann

Laura Schwan ist Psychologin und auch als Trainerin, Coach und Beraterin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die professionelle Begleitung von Führungskräften unterschiedlicher Hierarchiestufen durch maßgeschneiderte Trainings und Coachings. Mit ihr sprach Insa Lüdtke im Nachgang ihres Seminars „Führung und Kommunikation im Team“.

FRAU SCHWAN, WIE KANN MAN FÜHREN LERNEN?
Zunächst einmal ist es wichtig, das Thema als Thema zu erkennen und sich – neben dem Tagesgeschäft – wirklich Zeit zu nehmen. Dann geht es darum, eigene praktische Erfahrungen in Führungssituationen zu sammeln. Ich lasse die Teilnehmer nach kurzen theoretischen Impulsen Erfahrungen machen und diese dann gemeinsam reflektieren. Da bin ich dann eigentlich nur die Moderatorin, das Wissen und die Kompetenz sind oftmals vorhanden.

Eine Teilnehmerin kam am Ende der beiden Tage auf mich zu und war erleichtert, dass wir nicht so viel Theorie gemacht haben – also etwa schon wieder das Eisbergmodell analysiert haben, sondern ganz praktische Übungen gemacht haben und diese im Rahmen der kollegialen Beratung ihre Erfahrungen miteinander reflektieren konnten.

WAS WAREN DAS FÜR ERFAHRUNGEN?
In der einen Übung musste das Team gemeinsam eine Aufgabe lösen, dabei waren einigen Kollegen die Augen verbunden. Hier ging es also auch um eine klare Kommunikation, Motivation und Vertrauen. Ein weiterer Aspekt war die Wertschätzung von Diversität im Team. Das ist immer wieder ein Thema, als Führungskraft sein Team mit Menschen mit unterschiedlichen Qualitäten aufzubauen. Im Rahmen eines Selbsttests konnten die Teilnehmer herausfinden, welche Persönlichkeitspräferenzen sie haben und somit eine Art „Standortbestimmung“ durchführen. Im Tagesgeschäft stellt sich die Frage des Fokus: sind wir eher an der schnellen Aufgabenerledigung interessiert, oder ist uns der Austausch mit den Kollegen besonders wichtig? Agieren wir eher zurückhaltend beobachtend oder proaktiv extrovertiert?

WAS KÖNNEN DIE TEILNEHMER MITNEHMEN INS TAGESGESCHÄFT?
Sie waren sehr offen und verfügen bereits über gute Führungskompetenzen. Die kollegiale Fallberatung ist, denke ich, ein effektives Mittel, im Alltag auf kurzem Wege professionell die eigenen Erfahrungen zu teilen und vom persönlichen Austausch zu profitieren. Hierzu reicht es, sich mit einigen Personen zusammenzusetzen und in fünf Schritten sich durch die Thematik zu arbeiten.

Führen ist eine lebendige Angelegenheit. Oftmals gibt es ja auch kein „richtig oder falsch“ – im Gegenteil: Eine Führungskraft sollte den Mut und das Vertrauen haben, Fehler zu machen und daraus situativ zu lernen. Es geht ja nicht mehr um Hierarchien. Eine Führungskraft muss heute nicht mehr stark und unfehlbar sein – im Gegenteil, wer nahbar ist, zeigt Stärke.

15.03.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 01.+ 02.02.2018: Führung und Kommunikation im Team

„FÜHREN KANN MAN GANZ PRAKTISCH LERNEN – ERFAHRUNGEN SAMMELN UND MITEINANDER REFLEKTIEREN!“

Trainerin: Dipl.-Psych. Laura Schwan

Stuttgart. Zum Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 hatte die 360Akademie zum Thema „Humor“ eingeladen. Rund einhundert Gäste folgten den Ausführungen von Rainer Schmidt. Der Pfarrer, Buchautor, Sportler (Gold bei Paralympics) und Kabarettist wurde ohne Unterarme und Hände geboren. Humor ist (s)eine Haltung, dem Leben und anderen Menschen zu begegnen – Unsicherheit zu nehmen und Nähe zu schaffen.

HUMOR SCHAFFT NÄHE

Der verbindenden Komponente von Humor in der Beziehung von Mensch zu Mensch ging Rainer Schmidt in seinem unterhaltsamen und zugleich feingeistigen kabarettistischen Vortrag auf den Grund. Immer wieder demonstrierte er, wie man Humor bewusst und gekonnt einsetzen kann. Dabei gehe es nicht darum, einfach witzig zu sein. Vielmehr sollte man sich an sein Gegenüber und dessen Verständnis von Humor Schritt für Schritt vorsichtig herantasten. Erst wenn eine humorvolle Anspielung mit einem Lachen oder einer heiteren Reaktion beantwortet worden sei, dürfe man die Dosis erhöhen und mit mehr Schärfe im Witz nachlegen. Als Gegengewicht zur Leichtigkeit braucht Humor das Drama, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Eine humorvolle Wendung löst es wieder auf, denn Lachen und Humor brauchen die Überraschung.

MUT UND PRÄSENZ

Humor geht an oder auch mal über die Grenze, ist aber nicht grenzenlos. Im Gegenteil muss wer Humor hat, auch seine und die Grenzen seines Gegenübers kennen – so darf Humor nicht verletzen. Schmidt spricht aus Erfahrung und berichtete immer wieder von selbst erlebten Episoden im Hinblick auf seine Behinderung. Letztlich gehe es bei der ganzen Inklusionsdebatte um Normalität in der Vielfalt. Wer, so fragte er das Publikum, könne wie er nicht Klavier spielen – rund 80 Prozent hoben die Hand.

Wer Humor einsetzt, braucht jedoch im ersten Schritt eine Portion Mut, da Humor auch immer das Risiko beinhaltet, den Bogen beim Gegenüber womöglich zu überspannen oder einfach missverstanden zu werden: Im besten Fall aber kann man nur gewinnen“, weiß Schmidt, „wer Humor in eine Situation bringt, schafft Präsenz und wird als Mensch sichtbar.“

08.02.2018

Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 am 30.01.2018

„Im besten Fall kann man nur gewinnen!“

360AKADEMIE BEGRÜßT ZUM NEUEN JAHR ZUM THEMA HUMOR

Jakob Ritzkat ist Psychologe, Organisationsentwickler, Trainer und Sustainable Impact Entrepreneur. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Umgang mit Komplexität – Strategien entwickeln für die Praxis im Team und am Arbeitsplatz“.

HERR RITZKAT, SIE SIND ALS REFERENT KURZFRISTIG FÜR IHREN ERKRANKTEN KOLLEGEN, JONAS GEIßLER, EINGESPRUNGEN. WAS BEDEUTETE DAS FÜR SIE IM HINBLICK AUF DAS THEMA „UMGEHEN MIT KOMPLEXITÄT“?
Bei der Vorbereitung ging es mir ein Stück weit darum, in mich hineinzuhören, wo der Bedarf sein könnte, und was ich dazu anbieten kann. Zum anderen habe ich ganz pragmatisch abgewogen, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen wie die Zeit zur Vorbereitung und auch die Zeit im Sinne der Dauer der Veranstaltung zusammenkommen können. Hier ging es im besten Sinne um Eindampfen von Inhalten und gleichzeitig darum, eine Fülle an Materialien in Petto zu haben.

KOMPLEXITÄT ALSO IN ZWEI RICHTUNGEN – FOKUSSIEREN UND GLEICHZEITIG OFFEN BLEIBEN. IST DAS NICHT EIN EIERTANZ UND SCHAFFT EHER VERUNSICHERUNG?
Sie sagen es: Komplexität verunsichert uns. Eindeutige Erklärungen und Lösungen erscheinen in unserer globalisierten, digitalisierten Zeit aber immer schwieriger: Alles hängt mit allem zusammen. Wir Menschen wünschen uns einfach Antworten. Doch wenn wir ehrlich sind, gibt es diese schon heute und wird es diese erst recht in Zukunft nicht geben.

Was also tun? Wir können unsere eigene Komplexität erhöhen. Denn dann können wir wiederum Wahlmöglichleiten schaffen, aus denen wir dann im Moment Lösungen oder Wege auswählen können. Es geht also um zwei Kernkompetenzen: eine Situation sehr genau wahrnehmen und jederzeit skalieren können – ob inhaltlich oder von einer zur anderen Ebene im Sinne von Ernst zu humorvoll, theoretisch zu praktisch umschalten. Kurz: Komplexität braucht Beweglichkeit nach innen und nach außen.

WAS BRAUCHE ICH DAZU, DAMIT DAS OHNE KRAFTAUFWAND GELEINGT?
Es geht letztlich um iterative Kommunikation. Das bedeutet, dass ich mich stets im Dialog mit mir und mit meiner Umgebung verstehe. Es geht nicht darum eine perfekte, sondern die richtige Lösung zu finden. Es geht nicht darum, meine Meinung durchzusetzen oder mein Wissen unter Beweis zu stellen – sondern mich am Austausch lebendig zu beteiligen. Der Reiz an Komplexität ist ja nicht nur die ihr innewohnende Unüberschaubarkeit. Es zeigen sich ja auch „Short-Cuts“, sie offenbaren sich im Kontakt mit Menschen, im besten Fall wenn sie aus anderen Disziplinen kommen und so ihre Welt, ihr Wissen, ihr Denken miteinbringen.

APROPOS, WIE HABEN SIE DAS THEMA AN DIE MENSCHEN, AN DIE TEILNHEMER GEBRACHT?
Um die Auswirkungen von Komplexität im Teamkontext auch praktisch erlebbar zu machen, wurde die Theorie durch verschiedene gruppendynamische Übungen ergänzt, in denen die Teilnehmer Selbstorganisationsprinzipien und Rollenübernahme im Kontext von Führung und Geführten erfahren und reflektiert haben.

Neben theoretischen Impulsen zum Thema von meiner Seite haben sie in kleinen Gruppen ihre Erkenntnisse im Sinne der kollegialen Fallberatung diskutiert. So konnten sie schon einmal ganz konkret die Erfahrung teilen, dass durch verschiedene Meinungen zunächst die Komplexität steigt, bevor Klarheit entstehen kann. Es kann also nicht darum gehen, Komplexität zu bewältigen. Es geht darum, mit ihr leben zu lernen!